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Zuhören lernen und sich selbst Gehör verschaffen

Aufmerksam zuzuhören und selbst gehört zu werden kommt im Alltag oft zu kurz. Wir haben Expertin Claudia Fabian gefragt, wie wir das ändern können.


© PeopleImages / Getty Images

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Das Handy klingelt, der Kunde wartet und in Gedanken sind wir schon bei den Einkäufen fürs Wochenende – bei so viel Trubel bleibt für ein gutes Gespräch mit Kollegen, Freunden oder der Familie oft keine Zeit. Und schlimmer noch: In vielen Fällen merken wir nicht einmal, dass wir anderen nicht mehr wirklich zuhören, weil wir so mit den eigenen Aufgaben beschäftigt sind. Unzufriedenheit schleicht sich meist erst ein, wenn wir selbst das Gefühl haben, mit unseren Anliegen kein Gehör bei unseren Mitmenschen zu finden. Dass beides eng zusammenhängt, erläutert die Autorin und Trainerin für ganzheitliche Kommunikation Claudia Fabian in ihrem neuen Buch „Zuhören und hinhören – uns selbst und anderen“. Im Interview hat sie uns mehr darüber verraten, wie wir wieder lernen können, bewusst zuzuhören und einen echten Austausch zu finden.

Mobil-e: Frau Fabian, warum fällt es uns heute so schwer zuzuhören?

Claudia Fabian: Zuhören bedeutet, dass wir unsere Zeit und unsere Energie einer anderen Person zur Verfügung stellen und dabei voll präsent sind. Diese drei Faktoren zu gewährleisten ist für viele Menschen heute eine große Herausforderung.

Mobil-e: Welche Rolle spielt die zunehmende Digitalisierung?

Claudia Fabian: Eine große Rolle! Wir sind ständig und überall erreichbar und versenden pausenlos Nachrichten, statt kurz den persönlichen Kontakt zu suchen. Der echte Austausch geht damit verloren. Gleichzeitig können wir mithilfe der Technik etwas mitteilen, ohne mit den direkten Auswirkungen umgehen zu müssen. Von der Reaktion des anderen bekommen wir meist nichts mit. Dadurch verkümmert zunehmend unsere Fähigkeit zur Kommunikation – und das führt dazu, dass uns für die notwendigen direkten Gespräche im privaten und im beruflichen Umfeld die Erfahrungen fehlen. In vielen Familien sieht die gemeinsame Freizeitgestaltung heute so aus, dass am Computer gespielt wird oder Fernsehsendungen angeschaut werden. Auch das trägt dazu bei, dass es für viele immer schwieriger wird, in den aktiven Dialog zu treten und sich mit anderen Meinungen auseinanderzusetzen. Es fällt uns aber nicht nur zunehmend schwer, anderen zuzuhören, sondern auch uns selbst Gehör zu schenken, sprich auf unsere eigene innere Stimme zu hören, um herauszufinden, was unsere Gefühle sind und was wir selbst für ein glückliches Leben brauchen. Die Erfüllung unserer Bedürfnisse legen wir in die Hände anderer und sind verärgert, wenn die gewünschte Umsetzung nicht funktioniert. Es gilt also auch zu lernen, wieder mehr auf uns selbst zu hören.

Mobil-e: Welche Konsequenzen hat diese Entwicklung?

Claudia Fabian: Eine Folge ist, dass es viel häufiger zu Missverständnissen kommt. Missverständnisse entstehen, wenn wir nicht aktiv zugehört haben, weil wir abgelenkt oder in Gedanken ganz woanders waren, und damit nicht die Zeit und die Präsenz zur Verfügung gestellt haben, die notwendig gewesen wären. Außerdem verpassen wir die Chance, Inhalte zu klären und unterschiedliche Sichtweisen zu verstehen. Wir gehen aus Gesprächen heraus, ohne zu wissen, ob unsere Informationen auch beim anderen so angekommen sind, wie wir sie gemeint haben. Es kommt zu Ärger, Streit und Diskussionen. Diese lassen uns mit Frust und in einer gewissen Hilflosigkeit zurück. Die daraus resultierende Mutlosigkeit hält uns dann oft davon ab, in einen neuen Dialog zu gehen. Und schon hat sich die Abwärtsspirale im kommunikativen Alltag in Bewegung gesetzt.

Mobil-e: Wie können wir lernen, anderen wieder besser zuzuhören?

Claudia Fabian: Dabei spielen unterschiedlichste Aspekte eine Rolle. Neben Zeit und Präsenz ist vor allem eine gewisse Bereitschaft erforderlich: Wir müssen uns aktiv dafür entscheiden zuzuhören und auch andere Standpunkte neben dem eigenen bestehen zu lassen. Bei einem wertschätzenden Dialog geht es nicht um „gewinnen“ oder „verlieren“, sondern um „sowohl als auch". Empathie ist für ein achtsames Gespräch unerlässlich. Empathisch zuzuhören bedeutet, die Sichtweise des anderen auch einfach mal stehen lassen zu können, ohne in die Verteidigung zu gehen oder dem Gesprächspartner ins Wort zu fallen. Gleichzeitig kann es hilfreich sein, die Person gegenüber genauer zu betrachten. Über Mimik, Gestik und den Tonfall können wir viel erfahren und gegebenenfalls eine bessere Basis für unser Gespräch schaffen.

Mobil-e: Und wie können wir uns selbst besser Gehör verschaffen?

Claudia Fabian: Auch hier gibt es verschiedene Parameter. Unsinnig ist es natürlich, jemanden zum Zuhören zu zwingen, wenn ihn das Thema nicht interessiert oder der Zeitpunkt ungünstig ist. Wenn wir gehört werden möchten, sollten wir uns vielmehr grundsätzlich darauf einstellen, auch unserem Gesprächspartner zuhören zu wollen. Ein wertschätzender Dialog kann nur im Zusammenspiel von Zuhören, Empathie und dem Ausdrücken der eigenen Sichtweise entstehen. Diese drei Parameter müssen sich im Gleichgewicht befinden. Wenn wir aber in ein Gespräch gehen und nur etwas „loswerden“ wollen, werden wir diese Balance niemals herstellen können. Es muss also die Bereitschaft da sein, die Aufmerksamkeit und Zuwendung, die wir von anderen erwarten, auch selbst zu geben. Denn erst, wenn unser Gesprächspartner die Wahrnehmung hat, gehört worden zu sein, ist er in der Lage, seinerseits zuzuhören.

Mobil-e: Haben Sie eine Übung für uns, wie sich das Zuhören wieder erlernen lässt?

Claudia Fabian: Eine Übung, die mehrere wichtige Aspekte des Zuhörens beinhaltet, ist folgende: Verabreden Sie sich mit Ihrem Gesprächspartner zu einer Zeit, die für beide in Ordnung ist und ausreichend Raum bietet. Dann überlegen Sie sich ein Thema, bei dem Sie unterschiedlicher Meinung sind. Das kann zum Beispiel die Suche nach dem passenden Wohnort sein, wobei einer die Berge und der andere die Stadt favorisiert. Einer beginnt nun, seine Sichtweise kurz darzustellen. Der andere hört zu und fasst anschließend in wenigen Worten die gehörten Argumente zusammen, ohne die Sichtweise des anderen zu bewerten oder zu analysieren. Im Anschluss daran stellt er seinen eigenen Standpunkt dar. Nun hört die Person, die das Gespräch eröffnet hat, zu und fasst das Gehörte ohne Bewertungen und Analysen kurz zusammen. Anschließend spricht sie weiter, um den eigenen Standpunkt zu vertiefen. Dieser Rhythmus – also reden, empathisch das Gehörte zusammenfassen und den eigenen Standpunkt beschreiben – wird beibehalten, bis ... nun ja, lassen Sie sich überraschen, was bei einem empathischen Gespräch entstehen kann, bei dem zwei Personen einen gegensätzlichen Standpunkt vertreten.

Verlosung: „Zuhören und hinhören – uns selbst und anderen“

© Schirner VerlagZahlreiche weitere Anregungen und Übungen zum Zuhören und Gehörtwerden hat Claudia Fabian in ihrem Buch „Zuhören und hinhören – uns selbst und anderen“ aufbereitet. Darüber hinaus enthält es aufschlussreiche Analysen, die unser jeweiliges Verhalten erklären und kommunikative Alternativen aufzeigen. Wir verlosen fünf Exemplare des spannenden Ratgebers. Nutzen Sie Ihre Chance, indem Sie einfach das Gewinnspielformular ausfüllen. Teilnahmeschluss ist der 31.01.2018. Wir drücken Ihnen die Daumen.


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