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So finden Sie die passende Gesundheits-App

Sie zählen Schritte, erfassen Bluthochdruck und geben Ernährungstipps: In den Stores gibt es inzwischen über hunderttausend Apps rund um die Themen Medizin, Gesundheit und Fitness. Experte Dr. Urs-Vito Albrecht verrät, worauf Nutzer achten sollten.


© Sitthiphong / Getty Images

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Immer mehr Menschen nutzen Fitnesstracker, Wearables & Co. – und ebenso steigt die Zahl der Anwendungen, die die Geräte bieten. Auch in den Kategorien „Gesundheit & Fitness“ und „Medizin“ finden laufend neue, oft kostenlose Programme den Weg in die App-Stores. Viele Produzenten sind allerdings gar nicht im Gesundheitsbereich angesiedelt, sodass die Qualität der Apps nicht immer gesichert ist. Für Anwender ist es oft schwierig, im großen Angebot zwischen seriösen und unseriösen Apps zu unterscheiden. Dr. Urs-Vito Albrecht ist stellvertretender Institutsleiter am Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik an der Medizinischen Hochschule Hannover. Wir haben ihn gefragt, ob Gesundheits-Apps vor Veröffentlichung offiziell getestet und geprüft werden, worauf Verbraucher bei ihrer Entscheidung achten sollten und wann eine Gesundheits-App ein Medizinprodukt ist.

Mobil-e: Herr Dr. Albrecht, was halten Sie vom Boom der Gesundheits-Apps?

Dr. Urs-Vito Albrecht: Apps bieten das Potenzial, das Gesundheitswesen zu verändern, denn mobile, menschzentrierte Anwendungen helfen den Nutzern, sich mehr in Gesundheitsbelangen zu engagieren. Aktuell stellt es sich allerdings noch schwierig dar, die Potenziale dieser neuen Technologie auszuschöpfen, denn wir müssen zunächst verstehen, wie wir sie wirklich sinnvoll einsetzen können. Gleichzeitig birgt die Nutzung einige Gefahren für die Anwender. Diese reichen vom Datenschutz bis hin zu gesundheitlichen Risiken aufgrund fehlerhafter oder nicht mehr dem aktuellen wissenschaftlichen Stand entsprechender Informationen. Auch Apps, die nicht auf die Bedürfnisse der Zielgruppe eingehen, können problematisch sein, zum Beispiel wenn der Anwender die App zwar korrekt anwendet, er die Empfehlungen aber aufgrund mangelnder Vorkenntnisse nicht versteht.

Mobil-e: Gibt es denn eine Art Prüfstelle oder kann jeder solche Apps veröffentlichen?

Dr. Urs-Vito Albrecht: Gesundheits-Apps werden nicht zugelassen wie beispielsweise Arzneimittel. Eine umfassende Überprüfung aller verfügbaren Apps durch eine „offizielle Prüfstelle“ wäre auch von vornherein zum Scheitern verurteilt, da das Angebot einfach zu groß ist. Weist der Hersteller einer App allerdings einen diagnostischen oder therapeutischen Zweck zu, unterliegt sie dem Medizinproduktegesetz und muss bestimmte Anforderungen erfüllen. Nur dann darf sie eine CE-Kennzeichnung tragen und vermarktet werden. Das ist aber auch nicht immer mit einer Überprüfung verbunden. Der Anteil von Apps, die ein Medizinprodukt darstellen, ist zudem verschwindend gering im Vergleich zu dem überwältigenden App-Angebot im gesamten Bereich Medizin, Gesundheit und Fitness.

Mobil-e: Woran erkennt der Verbraucher eine sinnvolle und verlässliche App?

Dr. Urs-Vito Albrecht: Eine gute App muss natürlich zunächst einmal ihren angegebenen Anwendungszweck vollständig, zuverlässig und effizient erfüllen. Dabei darf sie weder den Anwender noch seine Umgebung gefährden. Darüber hinaus soll sie die Bedürfnisse des Nutzers befriedigen – vielleicht sogar solche, derer er sich anfänglich gar nicht bewusst war. Und sie muss fehlerfrei und zuverlässig funktionieren. Schlechte Apps vernachlässigen all diese Aspekte. Sie fallen eventuell durch schlechte Bedienbarkeit auf oder durch mangelnde Sorgfalt bei der Umsetzung. Da unabhängige Tests durch Dritte selten vorliegen, müssen Verbraucher selbst aktiv werden und sich vor dem Kauf über die App informieren.

Mobil-e: Können Gütesiegel Anwendern eine Orientierung bieten?

Dr. Urs-Vito Albrecht: Ja, sofern die Siegel auf dem Boden gültiger Tests nach anerkannten, aktuellen Methoden und unabhängig vergeben wurden. Initiativen, die von Patientenverbänden, Selbsthilfeorganisationen oder Fachgesellschaften ausgehen, sind vielversprechend. Ein gutes Beispiel ist das Gütesiegel DiaDigital für Diabetes-Apps. Solche Siegel decken aber meist nur einen kleinen Bereich von Apps ab. Zudem hängt die Qualität der Siegel klar mit der jeweiligen Unternehmensphilosophie zusammen. Das Ziel einer umfangreichen Prüfung verfolgen die verschiedenen Geschäftsmodelle der Anbieter mal mehr und mal weniger intensiv. Wenn ein Siegelanbieter hinsichtlich der Bewertungskriterien mit verdeckten Karten spielt, kann man natürlich auch keine Aussage darüber treffen, ob das Siegel hält, was es verspricht.

Mobil-e: Worauf können Verbraucher sonst noch achten?

Dr. Urs-Vito Albrecht: Ein seriöser Anbieter stellt dem Nutzer transparent Informationen über sein Produkt bereit. Folgende Fragen sollten sich aus der Beschreibung beantworten lassen:

  • Welchen Zweck verfolgt die App und für welchen Zweck ist sie nicht gedacht?
  • Wie funktioniert die App?
  • Welche Belege gibt es dafür, dass die App ihren Zweck erfüllt, wie zum Beispiel Studien?
  • Wer sind die App-Autoren, wie sind sie qualifiziert und welche Quellen wurden verwendet?
  • Wofür werden die persönlichen Daten des Nutzers verwendet und welche Vorkehrungen werden zu deren Schutz getroffen?
  • Wer finanziert die App und gibt es einen Interessenkonflikt?

Werden diese Informationen nicht angeboten, reicht mir das bereits, um die betreffende Gesundheits-App kritischer zu betrachten. Denn: Als Hersteller ist es nicht schwer, diese Fragen zu beantworten. Geschieht es nicht, unterstelle ich einen fehlenden Willen, die Nutzer aufzuklären.


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