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Krisen meistern und positiv ins neue Jahr starten

Manchmal spielt das Leben einem übel mit: Man hat einen Unfall, verliert seinen Job und wird obendrein auch noch vom Partner verlassen. Psychologin Dr. Katharina Tempel verrät, wie man emotionale Krisen bewältigen und wieder Zuversicht gewinnen kann.


© Vertigo3d / Getty Images

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Jeder Mensch kennt Probleme und persönliche Krisen. Negative Erfahrungen gehören zum Leben dazu. Nicht selten kommt jedoch alles auf einmal und die alleinerziehende Mutter von zwei Kindern muss beispielsweise nicht nur ihre finanziellen Probleme in den Griff bekommen, sondern auch noch den Verlust ihres Partners verkraften. In solchen Situationen fällt es schwer, nicht zu verzweifeln. Dr. Katharina Tempel ist Diplompsychologin und Expertin auf dem Gebiet der Positiven Psychologie. Als „Glücksdetektiv“ unterstützt sie auf ihrer Webseite und ihrem YouTube-Kanal Menschen dabei, glücklicher zu werden und ein erfüllteres Leben zu führen. Wir haben sie nach Wegen aus der persönlichen Krise gefragt.

Mobil-e: Wie schafft man es, seine Zuversicht nicht zu verlieren und sein Leben weiter zu meistern, auch wenn man das Gefühl hat, dass gerade alles schiefgeht?

Dr. Katharina Tempel: Um in solchen Lebensphasen nicht den Mut zu verlieren, ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, dass Krisen kommen, aber auch wieder gehen. So wie es jetzt ist, wird es nicht ewig bleiben, auch wenn es sich gerade so anfühlt. Der Schmerz wird weniger, die Belastungen werden geringer und es werden auch wieder gute Dinge passieren. Es sind zudem gerade Phasen wie diese, die uns das größte persönliche Wachstum bescheren. Das heißt: Wer seine Krise überwindet, kommt meistens stärker aus ihr hervor.

Mobil-e: Wie gelingt das?

Dr. Katharina Tempel: Das A und O ist es, unsere aktuelle Krise nicht persönlich zu nehmen. Oft ist es doch so, dass ein Unglück den äußeren Umständen zugeschrieben wird: „Da habe ich halt Pech gehabt“, „So etwas kommt vor“. Wer jedoch einen Misserfolg nach dem nächsten erfährt, fängt unweigerlich an, sich zu fragen, ob etwas nicht mit ihm stimmt. „Warum ich?“, „Was habe ich denn verbrochen?“ und ähnliche Gedanken drängen sich dann in den Kopf. Es fühlt sich an, als hätte sich das Universum gegen uns verschworen oder als würden wir für irgendwas bestraft werden. Krisen, Probleme und Misserfolgserlebnisse sind jedoch ganz normal und kein persönlicher Rachefeldzug gegen uns. Manchen Menschen hilft hier ein gesunder Zynismus, ganz nach dem Motto: „Manchmal bist du die Taube, manchmal das Denkmal!“

Mobil-e: Was kann dabei helfen, wieder positiv nach vorn zu schauen?

Dr. Katharina Tempel: Die meisten Krisen führen früher oder später dazu, dass wir aufgeben, den Kopf in den Sand stecken und uns dem Schicksal hilflos ergeben. Sich ein paar Tage zu verstecken und sein Leid zu beklagen, kann der Seele auch guttun. Wer jedoch neue Kraft schöpfen möchte, muss unbedingt den Absprung schaffen und sich wieder der Sache zuwenden: „Was kann ich jetzt tun, um schnell wieder gesund zu werden?“, „Was kann ich anders machen, damit es beim nächsten Mal klappt?“, „Wie kann ich mein Problem in den Griff kriegen?“. Sobald wir uns auf Lösungen fokussieren, verlassen wir die Opferrolle und übernehmen die Kontrolle über unser Leben – zumindest, soweit es eben gerade geht.

Mobil-e: Wie schafft man es, gar nicht erst in die Opferrolle zu verfallen?

Dr. Katharina Tempel: Gerade wiederholte Misserfolgserfahrungen können unserem Selbstwert schaden. Hilfreich ist es, sich während einer Krise an eigene Erfolgserlebnisse zu erinnern. „Was habe ich bereits alles geschafft?“, „Was ist mir schon gelungen?“, „Wann hatte ich auch mal Glück?“, „Was ist an meinem Leben gut?“ – Fragen wie diese helfen uns, das Positive zu sehen und unser Selbstvertrauen zu erhalten.

Mobil-e: Kann man noch etwas tun?

Dr. Katharina Tempel: Ja, und zwar etwas, das eigentlich immer gilt, aber in Krisen noch mehr als sonst: Wir sollten gut zu uns selbst sein. Gerade wenn alles andere schiefgeht, müssen wir auf uns achten, uns trösten und dafür sorgen, dass wir auch schöne und genussvolle Momente erfahren. Auch wer niemanden sonst hat, hat noch immer sich selbst. Pflegen und lieben wir dieses Selbst.

Mobil-e: Ist der Jahreswechsel eine besonders gute Zeit, um sein Leben neu auszurichten?

Dr. Katharina Tempel: Theoretisch geht das jederzeit. Dennoch stellt der Jahreswechsel eine gute Gelegenheit für einen Neustart dar, da viele Menschen zum Ende des Jahres Bilanz ziehen und sich mit ihren Wünschen und Zielen beschäftigen. Mit dem Beginn des neuen Jahres soll dann ein frischer Wind durchs Leben wehen. Die Aussicht auf den baldigen Frühling kann diese Aufbruchsstimmung noch verstärken. Um nicht gleich enttäuscht ins neue Jahr zu starten, sollte man sich allerdings vor Augen führen, dass Veränderungen ein Prozess sind. Sie finden nicht am 01.01. statt. Aber sie können dort beginnen.

Mobil-e: An wen kann man sich wenden, wenn man das Gefühl hat, eine emotionale Krise allein nicht bewältigen zu können?

Dr. Katharina Tempel: Wer das Bedürfnis hat, mit jemandem zu reden, und wer für sich allein keinen Weg aus der Krise findet, kann sich jederzeit an den örtlichen Krisendienst oder die Telefonseelsorge wenden. Bei medizinischen oder psychischen Problemen sind der Hausarzt oder die Krankenkasse die erste Anlaufstelle. Daneben gibt es zahlreiche Selbsthilfemöglichkeiten sowie zum Teil anonyme und kostenlose Telefon-, E-Mail- oder persönliche Beratungsstellen, die sich über eine einfache Internetsuche leicht finden lassen.

Familiäre Sorgen oder emotionale Krise: Hier wird Ihnen geholfen

Einen Überblick über zentrale Beratungsstellen bei psychologischen und medizinischen Problemen finden Sie auch auf unserer Website unter MED-DIENSTE. Von der Nummer der Telefonseelsorge über die Nummer gegen Kummer bei familiären Problemen bis hin zur unabhängigen Patientenberatung und der Nummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes – hier werden Sie fündig.


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