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Ausbildung abbrechen – ja oder nein?

Das Berufsleben ist für Schulabsolventen neu und aufregend. Trotzdem können sich nach einigen Wochen oder Monaten Zweifel melden, ob die Entscheidung für die gewählte Ausbildung die richtige war. Ist Abbrechen dann die einzige Lösung?


© fotosipsak / Getty Images

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Schon weit vor dem Abschluss hat man als Schüler heute die Möglichkeit, sich im Internet und auf Jobmessen über Berufsbilder zu informieren oder über Praktika in die Arbeitswelt hineinzuschnuppern. Dennoch kann es passieren, dass man erst nach Beginn der Ausbildung merkt, dass die angestrebte Lehre doch nicht das ist, was man sich darunter vorgestellt hat. Welche Möglichkeiten hat man in diesem Fall? Wie schlimm ist es, eine Ausbildung in oder nach der Probezeit abzubrechen? Und welche Alternativen gibt es? Wir haben Tipps zusammengestellt, die bei der Entscheidung helfen.

Gründe klären: Woher kommt die Unzufriedenheit?

Wenn allein schon der Weg zur Arbeit zur Belastung wird, stellt sich die Frage: Was genau ist das Problem? Der Wechsel vom Schul- in den Ausbildungsbetrieb kann bereits eine erste Herausforderung darstellen: Mit dem Achtstundentag verändert sich der Tagesablauf im Vergleich zum schulischen Alltag und aus dem Verhältnis Schüler-Lehrer wird das Verhältnis Arbeitnehmer-Vorgesetzter. Außerdem gibt es ein neues Team von Kollegen, in dem man noch seinen Platz finden muss. Vieles davon ist gewöhnungsbedürftig und gehört zum Lernprozess. Wer hier Schwierigkeiten hat, sollte die Flinte nicht gleich ins Korn werfen. Im Austausch mit Ansprechpartnern im Betrieb oder im privaten Kreis lässt sich eine Menge klären. Werden Enttäuschung, Ängste und Sorgen offen angesprochen, kann das schon für Erleichterung sorgen und die nötigen Hebel zur Besserung in Bewegung setzen. Falls sich jedoch herausstellt, dass im Ausbildungsbetrieb fachliche Interessen nicht gefördert werden oder das Arbeitsklima unzumutbar ist, kann das Abbrechen der Ausbildung sogar unabdingbar werden.

Kein Azubi wird mit Problemen alleingelassen

Niemand muss sich damit abfinden, wenn er beispielsweise am Arbeitsplatz gemobbt wird oder gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt ist. Um sich gegen solche gravierenden Probleme zur Wehr zu setzen, gibt es neben privaten auch öffentliche Ansprechpartner für Azubis, die sich auskennen und weiterhelfen können, zum Beispiel die Jugend- und Auszubildendenvertretung im Betriebsrat des jeweiligen Unternehmens, die Bundesagentur für Arbeit mit beratenden Experten zum Thema Ausbildung und die zuständige Kammer (zum Beispiel Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer). Diese Institutionen sind Anlaufstellen für allgemeine Fragen, Gesetze oder Tarifverträge, Regelungen für Ruhepausen, Überstunden und mehr. Eventuell können auch Trainings, Coachings oder Nachhilfeunterricht sinnvoll sein.

Plan B muss her: Nicht voreilig abbrechen

So ärgerlich es ist: Jeder kann sich irren – auch bei der Wahl des Ausbildungsplatzes. Ist nach eingehender Abwägung von Für und Wider der Entschluss abzubrechen gefasst, sollte man einen kühlen Kopf bewahren und schon vor der Kündigung nach Alternativen Ausschau halten. Das kann entweder ein neuer Ausbildungsbetrieb für den gleichen Beruf sein oder aber auch eine komplett neue Branche. Viele Azubis entscheiden sich in dieser Situation sogar, wieder zur Schule zu gehen, ihr Abitur nachzuholen und gegebenenfalls zu studieren. Zu wissen, was als Nächstes kommt, ist zum einen wichtig, um den Lebenslauf so lückenlos wie möglich zu halten. Zum anderen verhindert man so, unmittelbar ohne Abschluss und neue Perspektiven dazustehen, denn in diesem Fall ist es ungleich schwieriger, sich wieder zum Durchstarten zu motivieren.

Fristen und Vorgaben beachten

Eine Ausbildung kann durch eine Kündigung oder vorzeitige Vertragsauflösung beendet werden. Dabei gibt es gesetzliche Fristen, die sich jedoch im Einzelfall durch bestimmte Vereinbarungen modifizieren oder ersetzen lassen. Grundsätzlich können innerhalb der Probezeit, die in der Regel vier Monate dauert, beide Seiten fristlos und ohne Begründung kündigen. Nach der Probezeit muss man für die ordentliche Kündigung einen guten Grund vorbringen. Der ist gegeben, wenn der Auszubildende gemerkt hat, dass sich seine Berufswünsche in eine andere Richtung entwickelt haben, er sich also neu orientieren möchte oder eine neue Tätigkeit auf einem anderen Feld in Aussicht hat. Übrigens: Wer kündigt, braucht einerseits einen Grund für Arbeitgeber und Arbeitsamt. Andererseits ist es aber auch für neue Vorgesetzte interessant, warum ein Arbeitsverhältnis zu Ende ging. Hier sollten Azubis eine überdachte Antwort parat haben, die Lernfähigkeit und Engagement für das neue Berufs- oder Ausbildungsziel ausdrückt.

Nach dem Abbrechen der Ausbildung

Im Anschluss an eine Kündigung muss man sich umgehend bei der Bundesagentur für Arbeit arbeitslos melden – das gilt auch bei einem Wechsel zu einem anderen Ausbildungsplatz, sofern beide Arbeitsverhältnisse nicht nahtlos ineinander übergehen. Einerseits ist das für den Anspruch auf Arbeitslosengeld wichtig, andererseits spielt es eine Rolle für die Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung. Wird Arbeitslosengeld gewährt, übernimmt das Arbeitsamt auch die nötigen Versicherungen. Falls nicht, muss die Krankenkasse informiert werden. Darüber hinaus gilt: Auch Auszubildende haben Anspruch auf ein Arbeitszeugnis. Dies wird vom Arbeitgeber angefertigt und sollte für den Lehrling möglichst positiv ausfallen, damit ihm bei einem Neuanfang keine Steine im Weg liegen. Sämtliche Arbeitspapiere wie die Lohnsteuerkarte gehen wieder zurück an den Auszubildenden. Man selbst sollte darauf achten, dass die Arbeit bis zum letzten Tag vergütet und der Resturlaub ausgezahlt oder noch in Anspruch genommen wird.


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