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Stress und Wohlbefinden: So finden Sie die Balance

Leistungsdruck und subjektives Wohlbefinden sind am Arbeitsplatz oft Gegenspieler. Die Psychologin Dr. Ilona Bürgel verrät, wie sich das ändern lässt.


© aldomurillo / Getty Images

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Permanent ein bisschen mehr geben, stets ein Stück besser werden – mit dieser Erwartungshaltung sehen sich heute viele Berufstätige am Arbeitsplatz konfrontiert. Nicht immer führt das zu Unzufriedenheit, denn Herausforderungen anzunehmen ist wichtig für die persönliche Weiterentwicklung und schafft Erfolgserlebnisse. Doch wer ständig unter Stress steht und dem nächsten Ziel hinterherjagt, ist irgendwann nur noch ausgelaugt. In ihrem Buch „Warum immer mehr nicht immer richtig ist“ entlarvt die Autorin und Psychologin Dr. Ilona Bürgel  Anstrengungsfallen und gibt Tipps, wie wir unser subjektives Wohlbefinden steigern können. Im Interview hat sie uns mehr darüber verraten.


Mobil-e: Frau Dr. Bürgel, was ist eigentlich Wohlbefinden?

Dr. Ilona Bürgel: Wohlbefinden ist ähnlich wie Glück eine Mischung aus einem guten Gefühl und der positiven Bewertung einer Situation. Beides beeinflusst sich gegenseitig und hängt stark von unseren Erfahrungen und Erwartungen ab. Die Glücksforschung sagt, dass neben einer Disposition von etwa 50 % unsere Lebensumstände zu etwa 10 % bestimmen, wie gut es uns geht. So hat jeder von uns immer und überall einen Spielraum von 40 %, um das Beste aus dem zu machen, was gerade geschieht. Arbeit, Kunden, Nachbarn und Glatteis haben also nur zu 10 % Einfluss auf die Stimmung in unserem Leben. Den Rest bestimmen wir, vor allem dadurch, wohin wir unsere Aufmerksamkeit richten. Natürlich können wir nicht alles bestimmen. Einiges jedoch schon – und danach gilt es zu suchen.

Mobil-e: Welche Rolle spielen Entspannung und Genuss, welchen Stellenwert hat Leistung für das Wohlbefinden?

Dr. Ilona Bürgel: Genuss und Entspannung führen immer zu Wohlbefinden, sofern man bewusst Raum und Zeit dafür schafft, also nicht mit den Gedanken woanders ist. Doch andererseits liebt unser Gehirn es auch, sich anzustrengen, Probleme zu lösen, etwas zu lernen und zu entdecken. Nicht Anstrengung ist das Problem, sondern Überanstrengung. Nicht Zielstrebigkeit, sondern falsche Ziele. In der besten Absicht, das Maximum aus unserem Leben herauszuholen, landen wir oft in der Anstrengungsfalle. Wohl fühlen wir uns immer dann, wenn wir auf die richtige Art und Weise gefordert sind. Und wenn wir uns wohlfühlen, leisten wir, was wir wollen und sollen – ganz ohne gestresst zu sein. Wohlbefinden wiederum ist kein Luxus, sondern für ein gelungenes Leben so wichtig wie Anstrengung. Also: Strengen Sie sich bitte an – aber für das, wofür es sich lohnt!

Mobil-e: Und wie findet man das richtige Maß an Anstrengung und Entspannung?

Dr. Ilona Bürgel: Fakt ist, dass wir uns bei der Arbeit oftmals zu viel und auf die falsche Weise anstrengen: Wir tun Dinge, die wir nicht wollen, und versuchen, anderen alles recht zu machen. Das verursacht negativen Stress. Ich selbst frage mich gern: Ist die Anstrengung nützlich oder schädlich? Bringt sie Freude, Wachstum, Lernen, Lösungen? Oder kostet sie Leistungsfähigkeit, Gesundheit, Wohlbefinden? Es ist wie bei Omas Küchenwaage, je mehr Belastungen wir in der einen Waagschale haben, umso mehr Entlastung muss in die andere. Das gilt vor allem bei Dauerbelastungen wie Pflege von Angehörigen oder Umstrukturierungen in Unternehmen. Ich rate dazu, einfach mal eine Strichliste zu führen: Was strengt an, wie gleiche ich aus?

Mobil-e: Haben Sie ein paar Beispiele für positive Anstrengungen?

Dr. Ilona Bürgel: Zur positiven Anstrengung zähle ich beispielsweise, zu Hause zu arbeiten, um ein schwieriges Konzept ungestört erstellen zu können. Zu Hause zu arbeiten und mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen hingegen nicht. Zu Hause zu arbeiten und abends am Computer zu sitzen, kann positive Anstrengung sein, aber nur wenn tagsüber ein Ausgleich erfolgt. Ein anderes Beispiel: Dem Bus hinterherzulaufen, um früher bei den Kindern zu sein, ist positive Anstrengung. Regelmäßig morgens zu spät aufzustehen und dann dem Bus hinterherzuhetzen nicht. Und wenn wir auf den Arbeitsplatz schauen: Überstunden zu machen, weil im Büro ein tolles Projekt ansteht, ist positive Anstrengung. Gehören Überstunden zur Tagesordnung, ist es negative.

Mobil-e: Und wie können wir unser Wohlbefinden bewusst steigern?

Dr. Ilona Bürgel: Ich kann nur jedem raten, sich selbst unter die Lupe zu nehmen und zu fragen: Was tut mir gut? Wie kann ich mich schnell erholen? Dazu kann man auch eine Liste erstellen, die einen zum Beispiel an den Arbeitsplatz begleitet. Es geht um ganz kleine Dinge, wie einen Tee zu genießen, ein Lieblingslied zu hören, ein Stück Schokolade zu essen oder etwas Schönes anzuziehen. Auf diese Weise wird einem vieles bewusst, was vorher im Alltag untergegangen ist. Und dann gilt es, den Fokus gezielt auf das Gute und Schöne im Leben zu richten. Denn das gibt es überall – wir übersehen es vor lauter Stress nur allzu oft und gewöhnen uns daran.

Gewinnspiel: „Warum immer mehr nicht immer richtig ist“

© Kösel-VerlagIn ihrem neuen Buch „Warum immer mehr nicht immer richtig ist: Neue Wege zu Erfolg UND Wohlbefinden“ zeigt Dr. Ilona Bürgel charmant und lebensnah ihren persönlichen Gegenentwurf zu unserem Kult um Stress, Überforderung und Erschöpfung. Wir verlosen fünf Exemplare des lesenswerten Ratgebers. Nutzen Sie Ihre Chance, indem Sie einfach das Gewinnspielformular ausfüllen. Teilnahmeschluss ist der 31.10.2017. Wir drücken Ihnen die Daumen.


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