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Beruf und Berufung: Welcher Job macht mich glücklich?

Wer in seinem Beruf unglücklich ist, steht irgendwann vor der Frage: Soll ich noch mal etwas Neues beginnen – und wenn ja, was? Coach Holger Eckstein ist überzeugt, dass jeder eine Berufung hat und die innere Stimme helfen kann, sie zu finden.


© andresr / Getty Images

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Oft haben äußere Umstände und Zufälle Einfluss darauf, für welche Ausbildung oder welchen Studiengang wir uns in jungen Jahren entscheiden. Und so passiert es nicht selten, dass wir Jahre oder Jahrzehnte später merken, dass unser Beruf gar nicht so recht zu uns passt und uns einfach nicht glücklich macht. Während sich die einen dann entscheiden, die Zähne zusammenzubeißen, und die Jahre bis zur Rente zählen, fragen sich andere, was sie in ihrem Leben ändern können, um berufliche Erfüllung zu finden. Dass jeder Mensch die Antwort auf diese Frage bereits in sich trägt, sagt der Autor und Coach Holger Eckstein. In seinem Buch „Auf die innere Stimme hören“ und auf seinem YouTube-Kanal beschreibt er, wie es jedem gelingen kann, Zugang zu seinem Innersten zu finden, um seine Berufung zu erkennen und sie zu leben. Im Interview hat er uns mehr darüber verraten.

Mobil-e: Herr Eckstein, was ist die innere Stimme?

Holger Eckstein: In jedem von uns gibt es einen Ort oder Zustand, in dem wir unsere innere Stimme empfangen. Manche hören sie tatsächlich als Stimme, andere spüren sie eher – daher stammt auch der Begriff „Bauchgefühl“. Ich nenne diesen Ort unser Wesenszentrum, das nicht nur uns selbst und unsere eigenen Interessen, sondern immer das große Ganze im Blick hat. Wer Zugang zu seiner inneren Stimme hat, verspürt einen tiefen inneren Frieden. Und diesen Zugang kann sich wirklich jeder verschaffen.

Mobil-e: Was hindert uns dennoch so oft daran, diesen Zugang zu finden?

Holger Eckstein: Bei den allermeisten Menschen liegt es daran, dass sie gar nichts von der Existenz ihrer inneren Stimme wissen. Wir in unserem Kulturkreis haben nie gelernt, dass wir die Antworten auf alle Fragen bereits tief in uns tragen. Aber auch wenn wir davon schon gehört haben, kann vieles im Weg sein. Eine große Rolle spielen hier Zustände, die unserem inneren Frieden entgegenstehen, wie zum Beispiel Angst oder Egoismus.

Mobil-e: Wie können wir die innere Stimme nutzen, um berufliche Erfüllung zu finden?

Holger Eckstein: Die innere Stimme kann man zu allem befragen, auch zum Beruf. Da geht es dann um unsere Bestimmung. Die Bestimmung hat zwei Dimensionen, eine innere und eine äußere. Unsere innere Bestimmung ist, unsere innere Stimme zu finden und wahrzunehmen, was sie zu uns sagt. Und die äußere Bestimmung ist das, was sich im Außen entfaltet, wenn wir unserer inneren Stimme folgen und das tun, was sie uns sagt. Die innere Bestimmung zu kennen ist also die Voraussetzung dafür, die äußere Bestimmung vollständig zu leben. In der Realität passiert aber oft etwas anderes: Wir überlegen uns bei der Berufswahl, was unser Traumberuf wäre, und wundern uns später, dass er uns nicht glücklich macht. Das liegt dann oft gar nicht daran, dass wir uns den falschen Beruf ausgesucht haben, sondern daran, dass es in uns noch Blockaden gibt, die uns in diesem Beruf daran hindern zu sein, wer wir wirklich sind.

Mobil-e: Und was passiert, wenn unser Beruf nicht unserer Berufung entspricht?

Holger Eckstein: Das ist nicht bei jedem gleich. Die berufliche Erfüllung hat für jeden einen anderen Stellenwert. Für mich ist sie enorm wichtig, aber es gibt auch Menschen, bei denen das anders ist. Sie arbeiten einfach, um ihr Leben zu finanzieren, und finden mehr tiefe Erfüllung in anderen Bereichen. Wem berufliche Erfüllung wie mir sehr wichtig ist, der muss sich damit auseinandersetzen. Und ich stelle fest, dass das auch immer mehr Menschen tun. Das liegt zum Teil daran, dass Selbstverwirklichung immer wichtiger wird, aber auch daran, dass wir viel mehr Wahlmöglichkeiten haben als die Generationen vor uns. Das Schöne daran ist, dass es heute ganz viele verschiedene Möglichkeiten gibt, seine Berufung zu leben.

Mobil-e: Ist denn das, worin wir gut sind, automatisch unsere Berufung?

Holger Eckstein: Nicht unbedingt. Es kann zum Beispiel sein, dass mein Vater eine Steuerberatungskanzlei hat und ich sie übernehmen möchte, weil es einfach naheliegend ist. Und vielleicht werde ich dann auch ein richtig guter Steuerberater. Das heißt aber nicht, dass es meine Berufung ist. Wenn es mich nicht unglücklich macht, weil die berufliche Erfüllung in meinem Leben keine wichtige Rolle spielt, dann ist das absolut okay. Es kann aber auch sein, dass ich irgendwann mit meiner Berufswahl hadere. Und dann sollte ich mich schon fragen, was denn meine eigentliche Berufung ist.

Mobil-e: Bedeutet das dann, dass man seinen bisherigen Beruf aufgeben muss, um glücklich zu werden?

Holger Eckstein: Nein, das muss es nicht heißen und das ist ja auch gar nicht immer so einfach möglich, wenn man zum Beispiel finanzielle oder familiäre Verpflichtungen hat. Dennoch sollte man sich gerade durch diese Verpflichtungen nicht davon abhalten lassen, auf seine innere Stimme zu hören und berufliche Erfüllung zu finden. Es gibt immer Wege, beides zu vereinen. So kann ich meine Berufung zum Beispiel zunächst im Rahmen eines Hobbys, eines Ehrenamts oder einer Nebentätigkeit verwirklichen. Das ist schon ein großer Schritt in Richtung Erfüllung. Manchmal wird mit der Zeit dann sogar ein Beruf daraus. Aber selbst wenn das Ausleben unserer Berufung ein Hobby bleibt, profitieren wir in allen anderen Lebensbereichen davon, auch im Beruf. Wer seine Berufung dagegen auf Dauer verdrängt, bleibt unglücklich. Deswegen kann ich jeden nur ermutigen, sich zu entscheiden, das „Fenster zur inneren Stimme“ zu öffnen.

Mobil-e: Haben Sie ein paar konkrete Tipps, wie man dieses „Fenster“ öffnen kann?

Holger Eckstein: Ja, es gibt ein paar ganz einfache Übungen, um erste Schritte in diese Richtung zu unternehmen. Ein Beispiel: Überlegen Sie sich, welche Traumberufe Sie als Kind hatten, und schreiben Sie sie auf. Dann betrachten Sie sie aus heutiger Sicht und überlegen Sie sich, wofür sie stehen. Welche Facette in Ihnen bringt der jeweilige Beruf zum Ausdruck? Ich wollte zum Beispiel Architekt werden. Heute baue ich zwar keine Häuser, aber mit meinen Coachings errichte ich für meine Klienten eine Art Gerüst, das ihr Leben stabilisiert. Und ich wollte Astronaut werden – heute weiß ich, es geht mir darum, die Dinge von oben zu sehen. Eine andere Übung wäre, sich die eigenen Vorbilder bewusst zu machen und aufzuschreiben, warum man in der jeweiligen Person ein Vorbild sieht. Der Hintergrund hierzu ist, dass wir an anderen in der Regel besonders das schätzen, was auch in uns selbst steckt. Man nennt das positive Projektion. So können uns unsere Vorbilder eine Menge über unsere eigene Bestimmung verraten.

 
Mehr Infos über Holger Eckstein und seine Arbeit erfahren Sie unter www.holgereckstein.de.


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