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Scheitern als Chance

Im Job zu scheitern ist nie schön, kann uns aber sogar erfolgreicher machen. Dazu ist Widerstandsfähigkeit nötig. Wie kann man sie fördern?


© Lichtmeister Photography Productions e.U. / Thinkstock

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Arbeitslosigkeit, Abmahnung oder ein gescheitertes Projekt – solche Tiefschläge erlebt wohl jeder Berufstätige im Laufe seines Lebens irgendwann einmal. Während sie die einen völlig aus der Bahn werfen, laufen die anderen nach einer kurzen Zeit des Kräftesammelns wieder zur Hochform auf. Das Erfolgsrezept dieser „Stehaufmännchen“ wird von Psychologen als Resilienz bezeichnet. Resilient ist demnach, wer Krisen und Schicksalsschläge unbeschadet bewältigt oder sogar daran wächst. Wir haben Coachin Nicole Willnow von der Gesellschaft für Resilienz befragt, was es mit Resilienz auf sich hat und wie Scheitern sogar zur Chance werden kann.

Resilienz als Erfolgsfaktor: Nicole Willnow im Gespräch

Mobil-e: Frau Willnow, warum fühlt sich Scheitern so niederschmetternd an?

Nicole Willnow: Dafür kann es verschiedene Gründe geben. Vielleicht fühlt man sich als Versager, weil man seinen eigenen Ansprüchen oder den Ansprüchen anderer scheinbar nicht genügt. Es kann auch sein, dass man Angst vor Häme und Spott hat. Oder man sieht seine Existenz infrage gestellt. Wenn man an etwas scheitert, bedeutet das in der Regel einen ordentlichen Schlag für das Selbstbewusstsein – sicherlich auch, weil man im ersten Moment nicht sieht, was für eine große Chance dieses Scheitern sein kann. Aber daran, das zu erkennen, kann man arbeiten.

Mobil-e: Wie schafft man es denn, aus einem Tief nach einem beruflichen Rückschlag wieder herauszufinden?

Nicole Willnow: Zunächst einmal sollte man versuchen, das Geschehene zu akzeptieren, und aufhören, über das „Warum“ zu grübeln. Außerdem ist es wichtig, mit anderen über das Erlebte zu sprechen – egal ob Freund, Coach oder Mentor. Die Gesprächspartner können dabei helfen, Lösungsmöglichkeiten zu finden und sich aus einer Krisensituation zu befreien. Um die mentale Widerstandskraft zu stärken, kann man mit Übungen die verschiedenen Resilienzfaktoren durchgehen. Diese Faktoren sind bei jedem Menschen mehr oder weniger stark ausgeprägt. Die oben erwähnte Akzeptanz ist einer dieser Faktoren, genauso wie die Lösungsorientierung.

Mobil-e: Kann man Resilienz auch üben, sodass man neuerliches Scheitern als weniger schlimm empfindet?

Nicole Willnow: Ja, wenn man herausgefunden hat, welche Faktoren die persönliche Resilienz bestimmen, kann man die einzelnen Faktoren stärken. Erneutes Scheitern kann dann zwar trotzdem im ersten Moment schlimm sein. Aber das Wichtigste ist, dass man nicht mehr in Schockstarre verfällt und denkt, es gäbe keinen Ausweg. Man hat gelernt und reflektiert, dass es immer einen Ausweg gibt. Und findet so leichter die Kraft, diesen Weg zu gehen.

Mobil-e: Gibt es „Erste-Hilfe-Tipps“, um Krisensituationen besser zu überstehen?

Nicole Willnow: Allgemeingültige Tipps zu geben ist schwierig, da jeder Mensch ein anderes Resilienzprofil hat. Grundsätzlich würde ich raten, die eigene Situation zu reflektieren und die Opferhaltung aufzugeben. Wer sich ohnmächtig fühlt, kann die Dinge nicht in die eigene Hand nehmen. Jeder Mensch muss aber selbst ins Handeln kommen – und sei es mit noch so kleinen Schritten. Jeder Tag ist ein neuer Anfang.

Mobil-e: Inwiefern hat Scheitern vielleicht sogar positive Effekte?

Nicole Willnow: Wer eine Krise durchsteht, erfährt dabei, was er zu leisten oder zu überwinden imstande ist. Im Wiederholungsfall wird es leichter, den nötigen Optimismus aufzubringen, dass es einem erneut gelingt. Wer sich vor Augen führt, welche Stärken ihm oder ihr geholfen haben, mit einer Krise fertig zu werden, kann diese weiter ausbauen und bei einem neuerlichen Scheitern hervorholen und nutzen.


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