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Erfolgreiche Tumorbehandlung mit der Cyberknife-Technologie – eine Patientengeschichte

Karin Müller, Versicherte der BKK Mobil Oil und heute vollständig geheilt von einem gutartigen Gehirntumor, und Prof. Dr. med. Alexander Muacevic, behandelnder Radio- und Neurochirurg am Europäischen Cyberknife Zentrum in München-Großhadern, im Gespräch mit Mobil-e.


Bild: © Thinkstock, Artikelnummer: 455012289

Ein Tumor verändert das Leben schlagartig. Mit der Diagnose kommen gleichzeitig viele Fragen. Welche Auswirkung hat die Krankheit auf mein Leben, worum handelt es sich genau, wenn der Arzt von einem Hirntumor spricht und was kommt auf mich und meine Angehörigen zu? Viele Betroffene machen intuitiv den ersten wichtigen Schritt und informieren sich zunächst umfassend über die Erkrankung. Eine wichtige Anlaufstelle ist neben den behandelnden Ärzten auch die Krankenkasse. Die Entfernung des Tumors muss dabei nicht immer über den klassischen Weg der Operation erfolgen. Abhängig von der Art des Tumors, seiner Größe und Lage kann er unter Umständen auch mit Hilfe der neuartigen Technologie „Cyberknife“ narkose- und schmerzfrei in wenigen Sitzungen behandelt werden. Karin Müller, Versicherte der BKK Mobil Oil, hat diese innovative Technologie erfolgreich in Anspruch genommen – ihr diagnostiziertes Meningeom (gutartiger Tumor) im Gehirn konnte vollständig entfernt werden. Heute kämpft sie für eine stärkere Aufmerksamkeit dieser Cyberknife-Therapie, um Menschen zu helfen und deutlich zu machen, dass es mittlerweile neue Wege und Möglichkeiten in der Tumorbehandlung gibt.

Mobil-e: Frau Müller, wie haben Sie von Ihrer Erkrankung erfahren?

Frau Müller: Das war eine Odyssee – es fing damit an, dass ich plötzlich nicht mehr richtig sehen konnte. Ich hatte den Eindruck, als ob alles leicht marmoriert wäre. Ich habe verschiedene Ärzte aufgesucht – unter anderem meinen Hausarzt, verschiedene Augenärzte und Neurologen. Eine Diagnose gab es nicht und ich war mir sicher, dass mit meinem Kopf etwas nicht stimmte. Dann überwies mich mein Hausarzt an einen Radiologen und da war er dann, der Moment der Wahrheit: Man teilte mir mit, dass ein gutartiges Meningeom, also ein Tumor, im Gehirn gefunden wurde – direkt am linken Sehnerv.

Mobil-e: Sicherlich ein großer Schock – welche Maßnahmen wurden ergriffen?

Frau Müller: Das war allerdings ein Schock, ich habe die Diagnose ausgerechnet an einem Freitag erhalten. Ich hatte also ein ganzes Wochenende voller Fragen und Sorgen vor mir. Dann stand der OP-Termin fest – über acht Stunden hatten Ärzte versucht, den Tumor zu entfernen, leider ohne Erfolg. Der Tumor hatte sich so stark um meinen Sehnerv geschlungen, dass das Risiko zu groß war. Dann verschlechterte sich auch noch mein Sehvermögen und alles erschien milchig-nebelig. Es war niederschmetternd.

Mobil-e: Wie ging es für Sie weiter?

Frau Müller: Mein behandelnder Arzt in der Uniklinik erzählte mir von der Cyberknife-Technologie und stellte den Kontakt zum Cyberknife-Zentrum in München-Großhadern her. Ich hatte vorher noch nie von dieser Technologie gehört und habe mich unter anderem im Internet schlau gemacht. Ich vereinbarte einen Termin und wurde schnell, kompetent und sehr freundlich vom Praxisteam aufgenommen – ich habe mich auf Anhieb wohlgefühlt. Besonders Prof. Dr. Muacevic, mein behandelnder Arzt, ist auf mich eingegangen und hat mir jede meiner Fragen beantwortet und mir damit auch die Angst genommen.

Professor Dr. Alexander Muacevic: Radiochirurg - NeurochirurgProf. Dr. Muacevic: Viele Patienten informieren sich im Internet – auf unserer Website haben wir daher alle Informationen bereitgestellt, um den Patienten den Vorgang, die Technologie, aber auch die Voraussetzung für solch eine Behandlung zu erklären. In der Regel ist es so, dass die Patienten bei uns anrufen und wir erst einmal die Art, Lage und Größe des Tumors abfragen. Das ist besonders wichtig, denn mit dem Cyberknife lassen sich nicht alle Tumorarten und -größen behandeln. Bei Frau Müller haben die Bedingungen erst einmal gepasst, so dass wir einen Termin vereinbaren konnten. Vor dem Termin schon wurden vorhandene MRT- und CT-Bilder abgefordert, um eine Einschätzung vornehmen zu können. Bei positiver Indikation wie im Falle von Frau Müller, haben wir im nächsten Schritt einen persönlichen Termin wenige Tage später vereinbart. Aufgrund der Tumorart, -größe und -lage konnten wir tatsächlich anbieten, mit dem Cyberknife zu behandeln.

Mobil-e: Was besprechen Sie mit dem Patienten konkret?

Prof. Dr. Muacevic: Im persönlichen Gespräch werden die relevanten Unterlagen und Dokumente zum Patienten und dessen Indikation geprüft. Dabei haben wir über die Behandlungsmöglichkeiten und über Erfolgschancen und mögliche Nebenwirkungen gesprochen. Ist die Indikation für eine Behandlung mit dem Cyberknife nach wie vor positiv, kann eine Cyberknife-Behandlung vorbereitet werden. Bei Frau Müller konnte die Erfolgschance als gut eingestuft werden, etwas Genaues kann man jedoch erst nach der Behandlung sagen.

Mobil-e: Wie viele Sitzungen sind notwendig?

Prof. Dr. Muacevic: Die Anzahl der Sitzungen hängt vom Befund ab – in der Regel ist nur ein Termin notwendig, da die Behandlung meist in einer Sitzung á 30 bis 40 Minuten erfolgt. Aufgrund der Lage des Tumors am Auge haben wir uns bei Frau Müller für 5 Sitzungen á 35 Minuten entschieden, um das umliegende, empfindliche Gewebe im Gehirn nicht zu zerstören. Die gesamte Strahlendosis wurde also auf 5 Termine verteilt.

Mobil-e: Wie sieht die Vorbereitung auf den Behandlungstag aus?

Prof. Dr. Muacevic: Die Ärzte und Medizinphysiker planen und berechnen einen individuellen Behandlungsplan, der die spezielle Indikation des Patienten berücksichtigt. Er wird mit moderner Planungssoftware errechnet und dann in das Cyberknife-System eingespielt. So hat das Cyberknife-Gerät später die genaue Information, wo am Patienten die Strahlung eingesetzt werden soll. Für die Behandlungsplanung benötigt das Cyberknife-Zentrum in der Regel ein bis zwei Tage. Für eine Behandlung am Kopf wird zudem eine individuelle Maske angefertigt, die dem Patienten während der Sitzung ein Sicherheitsgefühl geben soll. Das Cyberknife selbst gleicht zum Beispiel die Atmung oder leichte Bewegungen automatisch aus.

Mobil-e: Wie läuft die Behandlung unter dem Cyberknife genau ab?

Prof. Dr. Muacevic: Während der Bestrahlungssitzung befindet sich der Patient auf einer dynamischen Liege – der Arzt kontrolliert die Behandlung aus einem Nebenraum und ist über Kamera und Mikro mit dem Patienten im ständigen Kontakt. Das Cyberknife wird gestartet, der Roboter kreist um den Patienten und schickt seine Strahlen auf das Tumorgewebe unter maximaler Schonung des umliegenden Gewebes. Die Patienten sind in dieser Zeit bei vollem Bewusstsein und verspüren keinerlei Schmerzen. Eine Pause kann jederzeit mit Handzeichen angekündigt werden, das Cyberknife-Gerät wird dann entsprechend angehalten.

Frau Müller: Es war beeindruckend, in diesem Raum zu liegen – es sah aus wie im Spaceshuttle und der Roboter kreiste seine Runden um mich. Ich habe mich die ganze Zeit über sehr wohlgefühlt und konnte keinerlei Schmerzen spüren. Prof. Dr. Muacevic erklärte mir alles und war immer über ein Mikrofon in Kontakt mit mir, fragte nach meinem Befinden. Nach den knapp 35 Minuten bin ich aufgestanden und ging nach Hause. Beschwerden hatte ich keine.

Mobil-e: Welche Risiken können durch das Cyberknife minimiert werden?

Prof. Dr. Muacevic: Die innovative Cyberknife-Technologie behandelt den Tumor ambulant und ist so erheblich komfortabler für Patienten. Komplikationen werden vermieden, denn das Cyberknife arbeitet ohne schmerzhafte Fixierung, ohne Narkose und ohne Operation. Ein Krankenhausaufenthalt entfällt ebenso wie eine Anschlussheilbehandlung oder ein Rehabilitationsaufenthalt. Eine einmalige ambulante Behandlung reicht in der Regel aus, nach der Sitzung kann der Patient meist direkt nach Hause und seinen gewohnten Aktivitäten und auch dem Beruf wieder nachgehen. Es gibt meist keine Einschränkung, auch sportliche Aktivitäten sind kein Problem. In einigen Fällen – so bei Tumorbehandlungen am Kopf – kann es vorkommen, dass der Patient kurz nach der Behandlung unter leichten Kopfschmerzen oder Schwindelgefühl leidet. Die Kosten für die Cyberknife-Therapie werden bereits von ein paar Krankenkassen übernommen, was uns sehr freut und die Genesung der Patienten erleichtert.  

Mobil-e: Gilt Frau Müller heute als geheilt?

Prof. Dr. Muacevic: Im Falle von Frau Müller gilt die Erkrankung nun nach zwei Jahren als geheilt. Danach sollten aber immer regelmäßige bildgebende Kontrollen (zum Beispiel alle zwei Jahre) durchgeführt werden.

Mobil-e: Wie geht es Ihnen heute, Frau Müller?

Frau Müller: Mir geht es prima, ich bin froh, damals von dieser Therapie erfahren zu haben. Ich möchte mit diesem Interview dazu beitragen, diese Technologie bekannter zu machen – viele Patienten gehen häufig den klassischen Weg über die Operation und wissen nicht, dass sie sich vielleicht mit dem Cyberknife hätten behandeln lassen können.

Wichtiger Hinweis für Betroffene

Diese Form der Behandlung mit dem Cyberknife ist nur für bestimmte Indikationen geeignet und an enge Voraussetzungen gebunden. Ob die Behandlung für Ihr individuelles Krankheitsbild in Frage kommt, klären Sie bitte direkt mit Ihrem behandelnden Arzt.

Weitere Informationen zum Thema Radiochirurgie (Cyberknife- und Gamma Knife-Technologie) sowie die Kontakte zu den Zentren, mit denen die BKK Mobil Oil Versorgungsverträge geschlossen hat, finden Sie unter www.bkk-mobil-oil.de/radiochirurgie.

FAKTEN

Vorteile der Cyberknife-Behandlung
Sind die Indikationskriterien für eine Cyberknife-Therapie erfüllt, bietet die Behandlung zahlreiche Vorteile für den Patienten:

  • keine Operation
  • keine Schmerzen
  • keine Narkose
  • kein Kopfrahmen
  • keine Fixierung
  • keine langwierige Behandlungszeit
  • keine Alltagseinschränkungen
  • kein Krankenhausaufenthalt
  • keine Rehabilitation

Behandlungsindikationen
Hirnerkrankungen

  • Akustikusneurinome (Vestibularisschwannome)
  • Meningeome
  • Angiome – arteriovenöse Malformationen (AVM)
  • Hirnmetastasen
  • Trigeminusneuralgie
  • Aderhautmelanome (Augenerkrankung)

Prostataerkrankung

  • Prostatakarzinome (im Einzelfall im Rahmen eines individuellen Heilversuchs)

Wirbelsäulen-/Rückenmarkserkrankungen

  • spinale Metastasen
  • spinale Neurinome
  • spinale Meningeome

Lungenerkrankungen

  • Bronchialkarzinome (Stadium I/II)
  • Lungenmetastasen

Lebererkrankungen

  • primäres Leberzellkarzinom
  • Lebermetastasen

Nierenerkrankungen

  • Nierenzellkarzinom
  • Urothelkarzinom

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