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Schüchternheit überwinden und im Job durchstarten

Smalltalk oder eine Präsentation zu halten ist für Schüchterne eine große Hürde. Im Job werden solche Hemmungen oft zum Problem. Wir haben Expertin Susanne Hake um Tipps gebeten, wie stille Menschen beruflich dennoch überzeugen können.


© nd3000 / Getty Images

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Ob Vorstellungsgespräch, Kundentermin oder Gehaltsverhandlung: Viele Situationen im Berufsleben erfordern eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein. Wer schüchtern ist, hat es deshalb oft schwer, sich und seine Fähigkeiten angemessen zu präsentieren. Das bedeutet aber nicht, dass stille Menschen keinen Erfolg im Job haben können. Susanne Hake ist Coach und Autorin des Ratgebers „Selbstmarketing für Schüchterne“. Sie hat uns im Interview verraten, wie sich Schüchternheit überwinden und ein selbstbewusstes Auftreten üben lässt.

Susanne HakeMobil-e: Frau Hake, warum sind einige Menschen schüchtern und andere nicht?

Susanne Hake: Schüchternheit ist definiert als Ängstlichkeit beim Anknüpfen menschlicher Beziehungen und gilt als angeboren. Schüchterne Menschen streben soziale Kontakte zwar an, werden jedoch von Ängsten blockiert. Die Wurzel hierfür liegt im Nervensystem: Bei Schüchternen ist das Angstzentrum im Gehirn, die Amygdala, übererregbar. Traumatische Erfahrungen in der Kindheit und im weiteren Verlauf des Lebens können Schüchternheit dann weiter verstärken.

Mobil-e: Kann Schüchternheit auch krankhaft sein?

Susanne Hake: Solange sie beim Betroffenen kein Leid verursacht, ist Schüchternheit keine Krankheit, sondern eher eine sympathische Eigenschaft. Es gibt Parallelen zur Hochsensibilität, von der 15 bis 20 % der Bevölkerung betroffen sind. Diese Personen haben eine gesteigerte Wahrnehmung und werden davon zuweilen überflutet. 70 % aller Hochsensiblen sind introvertiert. Das heißt, dass sie sich zum Aufladen ihrer Batterien zurückziehen müssen. Extrovertierte ziehen ihre Energie hingegen aus dem Austausch mit anderen Menschen. Allerdings kann auch ein extrovertierter Draufgänger schüchterne Momente haben, zum Beispiel wenn er einen Statushöheren um einen Gefallen bitten will oder sich in eine Person verliebt, die ihm unerreichbar scheint, und sie nach ihrer Telefonnummer fragen möchte. Aber: Sobald jemand unter seiner eigenen Schüchternheit leidet, wird diese nicht mehr als solche bezeichnet, sondern als Angsterkrankung. Dazu gehört auch die soziale Phobie.

Mobil-e: Sind Schüchterne am besten in einem Job aufgehoben, der ihrem Bedürfnis nach Rückzug entspricht?

Susanne Hake: Nicht unbedingt, im Sinne der Verhaltenstherapie wird schüchternen Menschen sogar empfohlen, sich Berufe mit möglichst vielen sozialen Kontakten auszuwählen. Auf diese Weise können sie üben, ihre Ängste zu überwinden. In solchen Berufen werden sich die Betroffenen zunächst unwohl fühlen – schon deshalb, weil sie, um in ihre Lernzone zu gelangen, ihre Komfortzone verlassen mussten. Doch ganz egal, in welcher Branche und auf welcher Führungsebene: Der Gewinn besteht darin, die Ängste zu überwinden und Beziehungen zu knüpfen – und dieser hilft gegen eine größere Gefahr, nämlich die Einsamkeit. Deren gesundheitsschädigende Wirkung wird in einer Studie mit der von 15 Zigaretten pro Tag verglichen.¹ Übrigens: Viele Schauspieler und Schauspielerinnen sind oder waren eher schüchtern – Julia Roberts, Robert de Niro und John Wayne zum Beispiel. Die französische Filmschauspielerin Léa Seydoux sagte einmal: „Im Grunde meines Herzens bin ich ein ängstlicher Mensch. Ich versuche meine Ängste durch meine Arbeit zu überwinden. Das hilft mir, meine Rollen zu gestalten. So entsteht aus meiner Angst etwas Neues, Kreatives.“ Das gilt in jedem Beruf: Ist eine Führungsposition erst mal erreicht, kann das Selbstbewusstsein der schüchternen Person vom höheren Status durchaus profitieren.

Mobil-e: Und wie gelingt Schüchternen der berufliche Aufstieg?

Susanne Hake: Stille Menschen, die beruflich weiterkommen wollen, schaffen das durch Können und Stärken einerseits und Glück und Beziehungen andererseits. Denn woher erfahren Karrierewillige von besonders guten Positionen? Oft von früheren Kollegen, Freunden und Bekannten. Je größer dieser Kreis und je vertrauensvoller diese Beziehungen sind, desto größer ist die statistische Wahrscheinlichkeit, von Chancen zu erfahren und diese, vielleicht sogar bevor sie öffentlich gemacht werden, angeboten zu bekommen. Für Aufbau und Pflege von Beziehungen – und auch, um gute Positionen nicht nur zu bekommen, sondern sie auch zu halten und auszubauen – brauchen wir Sozialkompetenz. Diese setzt sich zur Hälfte aus Beziehungsfähigkeit und zur anderen Hälfte aus Durchsetzungsfähigkeit zusammen. Beides ist wichtig. Und beides kann geübt werden. Dabei geht es nicht unbedingt darum, besonders populär zu werden. Aber es ist sinnvoll, bestehende positive Beziehungen zu intensivieren, zu erweitern und auch neue Menschen kennenzulernen.

Mobil-e: Verraten Sie uns einige Tipps, wie Schüchterne „Selbstmarketing“ üben können?

Susanne Hake: Wer seine Ängstlichkeit immer wieder herausfordern und überwinden will, um beruflich weiterzukommen, hat schon mal das Wichtigste erkannt: Ein Hindernis – in diesem Fall die Schüchternheit – zeigt uns, wo es langgeht. Mit meinen Coaching-Klienten nutze ich die von mir entwickelte Methode STORYdynamics, um Selbstmarketing-Blockaden zu lösen und ein überzeugendes Auftreten im Job zu üben. Sie beinhaltet fünf Phasen:

SITUATION – Listen Sie Ihre Stärken, Kompetenzen und Erfolge auf. Fragen Sie auch Freunde und ehemalige Kollegen, worin diese Ihre berufliche Einzigartigkeit sehen. Wie können Sie das welcher Organisation oder welchen Kunden gezielt anbieten?

TRANSFORMATION – Vergegenwärtigen Sie sich Ihre Vision: Wie stellen Sie sich Ihre Zukunft vor? Was ist Ihnen wichtig? Was motiviert Sie? Haben Sie eine Mission, sehen Sie eine Lebensaufgabe? Ist Ihr Beruf nur Mittel zum Zweck? Wenn ja: zu welchem?

ORGANISATION – Da Sie Ihr Angebot und Ihre Zielgruppe genauer kennen, gilt es nun, in Aktion zu treten, um die Ziele, die sich aus 1. und 2. ergeben, zu erreichen. Dabei weisen – wie Sie ja schon wissen – die Hindernisse den Weg. Hier geht es darum, Risiken klug abzuschätzen, zu wagen, und ums Lernen.

REKREATION – Entspannen Sie sich, um zu optimieren: Das eigene vegetative Nervensystem zu kennen, ist gerade für Schüchterne entscheidend. Oft ist der Sympathikus, der zu Kampf und Flucht anregt, überaktiv. Sein Gegenspieler, der Parasympathikus, der für Erholung und Selbstheilung zuständig ist, braucht Stärkung. Sport, Yoga oder Meditation können helfen, das Nervensystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen. So entwickeln Sie körperliche und seelische Widerstandsfähigkeit und damit immer wieder neue Ideen, Ihre Pläne zu optimieren.

YIPPIE – Feiern Sie Happy Ends und neue Starts: Wählen Sie jetzt achtsam zwischen neu erprobten Aktivitäten, die Sie sich zur Gewohnheit machen möchten, und alten Angewohnheiten, die Sie lieber lassen möchten. Überprüfen Sie Ihre Ziele und Strategien regelmäßig. Machen Sie das, was Sie selbstbewusst weiterbringt – mit Freude.

Gewinnspiel: „Selbstmarketing für Schüchterne“

© Redline VerlagIn ihrem Buch „Selbstmarketing für Schüchterne“ beschreibt Susanne Hake anhand hilfreicher Tipps und Übungen, wie stille Menschen ihre Schüchternheit überwinden und an ihrem Selbstbewusstsein arbeiten können, um ihre Kompetenzen im Beruf besser zu kommunizieren. Wir verlosen drei Exemplare des spannenden Ratgebers. Nutzen Sie Ihre Chance, indem Sie einfach das Gewinnspielformular ausfüllen. Teilnahmeschluss ist der 31.08.2018. Wir drücken Ihnen die Daumen.

(1) Quelle: Studie „Social relationships and mortality risk: a meta-analytic review.“


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