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Gesund schlafen ohne Rückenschmerzen

Neben zu wenig Bewegung kann auch die Schlafposition zu Rückenschmerzen führen. Experte Dr. Reinhard Schneiderhan erklärt, wie wir „richtig“ schlafen.


© PeopleImages / Getty Images

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Rückenschmerzen gehören zu den großen Volkskrankheiten. Viele Menschen achten deshalb darauf, sich ausreichend zu bewegen und nicht zu lange am Stück zu sitzen. Das alles trägt nachweislich dazu bei, Rückenschmerzen zu vermeiden und zu lindern. Doch warum verschwinden die Schmerzen manchmal trotzdem nicht? Dr. Reinhard Schneiderhan, Orthopäde und Präsident der Wirbelsäulenliga, hat uns im Interview erläutert, inwiefern die richtige Schlafposition in der Nacht einen Einfluss auf die Schmerzen des Tages hat.


Dr. Reinhard Schneiderhan
Mobil-e: Herr Dr. Schneiderhan, auf welcher Seite sollte man schlafen, um seinem Rücken etwas Gutes zu tun?


Dr. Reinhard Schneiderhan: Das kann von Person zu Person ganz unterschiedlich sein. Normalerweise begibt sich der Mensch nachts unbewusst in die Schlafposition, die für ihn am besten ist und in der er sich am wohlsten fühlt. Generell kann man sagen, dass für den Rücken die Seitenlage und die Rückenlage am besten sind – und das im Wechsel. Denn: Wenn man seine Position nachts hin und wieder verändert, vermeidet man eine einseitige Belastung der Wirbelsäule und die Bandscheiben können sich im Verlauf der Nacht regenerieren. Solche Lagewechsel geschehen aber zumeist ganz automatisch, ohne dass wir darauf achten müssten – vorausgesetzt, wir werden dabei nicht behindert, zum Beispiel weil wir tief in eine zu weiche Matratze einsinken. Bei der Seitenlage ist das Schlafen auf der linken Seite übrigens am gesündesten, denn es fördert die Funktion verschiedener Organe. So wird unter anderem der Blutfluss begünstigt und die Verdauung unterstützt. Wer sich also etwas Gutes tun will, wählt die linke Seite als Einschlafposition.

Mobil-e: Wie gesund ist es, auf dem Bauch zu schlafen?

Dr. Reinhard Schneiderhan: Diese Position ist gesundheitlich am ungünstigsten, denn in der Bauchlage kann sich der Rücken überstrecken und es entsteht ein Hohlkreuz, was leicht zu Rückenschmerzen führen kann. Hinzu kommt, dass Bauchschläfer ihren Kopf nach links oder rechts verdrehen, um atmen zu können. Über kurz oder lang resultieren daraus in vielen Fällen Verspannungen im Nackenbereich. Häufig kommt es auch zu einer Überlastung der Kiefergelenke und zu Verspannungen im Gesichtsbereich. Manche Patienten klagen über eingeschlafene Arme, Hände oder Finger in der Nacht. Ist das Kissen auch noch zu hoch, sind die Folgen besonders gravierend.

Mobil-e: Worauf ist beim Bett zu achten, um Rückenschmerzen zu vermeiden?

Dr. Reinhard Schneiderhan: Zunächst einmal sollte man seine Matratze regelmäßig erneuern – je nach Qualität alle fünf bis zehn Jahre. Beim Kauf ist eine gute Beratung wichtig, denn Material und Härtegrad sollten auf das individuelle Körpergewicht und die Anatomie abgestimmt sein. Auch die ausreichende Länge und Breite der Matratze entscheidet mit über den gesunden Schlaf. Die Matratze sollte 20 Zentimeter länger sein als der größte Schläfer. Eine Person braucht mindestens einen Meter Platz. Schlafen zwei Personen im Bett, sind mindestens 1,80 Meter ein guter Richtwert. Das Kissen wiederum sollte nicht zu dick und nicht zu dünn sein, da sonst die Halswirbelsäule nach oben oder unten abknickt. Idealerweise stützt das Kissen den Kopf so, dass die Wirbelsäule im Liegen bis hinab zum Becken eine gerade Linie bildet. Verspannungen im Nackenbereich können ein Zeichen dafür sein, dass der Kopf im Schlaf falsch liegt. Das „perfekte“ Kissen für alle gibt es nicht. Grundsätzlich gilt: Wer vor allem auf dem Rücken schläft, braucht ein eher flaches Kissen, Seitenschläfer meist ein dickeres.

Mobil-e: Kann man die Schlafposition aktiv steuern – und wenn ja, wie funktioniert das?

Dr. Reinhard Schneiderhan: Normalerweise ist das wie gesagt nicht nötig, da der Körper sich ohnehin im Schlaf die für ihn bequemste Stellung sucht. Wer – zum Beispiel verletzungsbedingt – eine bestimmte Schlafposition bevorzugen sollte, kann sich mit Kissen helfen. So gibt es spezielle Seitenschläferkissen oder L-Kissen, die in der Seitenlage für Stabilität sorgen und so die Wirbelsäule entlasten.

Mobil-e: Lassen sich auch bereits vorhandene Rückenschmerzen quasi „im Schlaf“ positiv beeinflussen?

Dr. Reinhard Schneiderhan: Ja, die Schlafposition kann sich durchaus positiv auf bestehende Beschwerden auswirken. Wer bereits Rückenschmerzen hat, schläft am besten in Rückenlage, denn so wird das Körpergewicht am gleichmäßigsten auf die Körperfläche verteilt. Um die natürliche Krümmung des Körpers aufrechtzuerhalten, kann man sich auch ein Kissen unter die Knie und ein aufgerolltes Handtuch unter den Rücken legen. Wer nur auf der Seite einschlafen kann, sollte sich als zusätzliche Unterstützung ein Kissen zwischen die Knie legen. Menschen mit Schulterschmerzen sollten nach Möglichkeit nicht auf der Seite der schmerzenden Schulter schlafen. Die beste Position ist auch hier die Rückenlage. Wer auf der Seite der nicht schmerzenden Schulter schlafen möchte, platziert am besten ein großes Kissen auf Hüfthöhe und legt seinen Arm darauf ab, etwa als würde er jemanden umarmen. Bei Nackenproblemen wiederum ist es wichtig, dass der Nacken im Liegen in einer neutralen Position gehalten wird. Dabei kommt der Höhe des Kissens eine besonders große Bedeutung zu. Auch ein aufgerolltes Handtuch kann den Nacken zusätzlich unterstützen.

Tipp

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© Sebastian Gorczowski / Getty Images

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