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Ganz cool bleiben: So lässt sich Wut in den Griff bekommen

Wütend zu sein ist nervenaufreibend – für einen selbst und für andere. Dennoch packt die Wut wohl jeden hin und wieder. Experte Dr. Udo Baer verrät, wie Wut entsteht, warum unterdrücken keine Lösung ist und wie man sie sogar positiv nutzen kann.


© PeopleImages / Getty Images

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Oft sind es Kleinigkeiten, die uns aus der Fassung bringen: Man bekleckert die neue Hose mit Rotwein. Der Chef ändert zum x-ten Mal seine Wünsche für die Präsentation. Und im Supermarkt wird man ohne Entschuldigung mit dem Einkaufswagen angerempelt. An einigen Tagen reicht schon ein solcher Vorfall, um die Wut in uns zum Brodeln zu bringen. Bestenfalls können wir ein paar Stunden später schon wieder darüber lachen. Manchmal führt unsere Erregung jedoch zu unkontrollierten Reaktionen, die noch mehr Ärger produzieren und unter denen häufig auch andere zu leiden haben. Kurz: Wut ist für die meisten Menschen ein alter Bekannter, mit dem man möglichst wenig zu tun haben möchte. Dabei ist es nicht nur möglich, das ungeliebte Gefühl in den Griff zu bekommen – man kann die Wut sogar positiv für sich nutzen. Dr. Udo Baer, Gesundheitswissenschaftler und Fachautor mehrerer Bücher zum Thema, hat uns erzählt, wie das funktioniert.

Wie Wut entsteht und wann sie schadet

„Wut macht uns sehr drastisch deutlich, dass wir etwas anders haben wollen, als es ist“, erklärt Dr. Baer die Ursache der Emotion. „Ebenso wie ihre Geschwister Zorn und Ärger ist Wut also ein Gefühl, das auf Veränderung abzielt. Wenn wir richtig mit ihr umgehen, kann sie uns deshalb sehr nützlich sein.“ Wer daran arbeitet, seine Wut in den Griff zu bekommen, tut damit gleichzeitig etwas für seine Gesundheit: Verschiedene Studien belegen, dass Wut krank machen und unter anderem das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, erhöhen kann. Und wie merken wir, ob es mit unserer Wut zu viel wird? „Dafür gibt es keine objektiven Kriterien“, so der Experte. „Subjektiv betrachtet ist Wut immer dann ungesund, wenn man selbst unter seiner Wut leidet und wenn sie andere Personen in irgendeiner Weise beeinträchtigt.“

Unterdrückte Wut staut sich auf

Die Wut zu unterdrücken ist laut Dr. Baer nicht die richtige Lösung: „Wenn wir unsere Wut immer wieder herunterschlucken, kann das ebenfalls krank machen. Außerdem kommt die Wut höchstwahrscheinlich irgendwann wieder hoch – und dann ist sie meist noch viel unberechenbarer als vorher.“ Für den konstruktiven Umgang mit der Wut sei es wichtig, sich mit dem Gefühl auseinanderzusetzen. Das müsse nicht zwangsläufig mit einer Handlung einhergehen: „Viele Menschen wollen die Wut einfach loswerden, weil sie ihnen unangenehm ist. Wer jedoch einfach nur Dampf ablässt, indem er beispielsweise laut herumbrüllt oder etwas kaputtmacht, lenkt sich lediglich von der Wut ab – verschwunden ist sie dadurch nicht.“ Wenn man merkt, dass einem gleich der Kragen platzt, solle man seine Wut deshalb lieber umlenken, indem man beispielsweise im Garten ein Beet umgräbt, die Küche putzt, eine Runde joggen geht oder – wenn man gerade bei der Arbeit ist – im Treppenhaus ganz nach oben und unten läuft. Anschließend könne man dann konstruktiver mit der Wut umgehen und sie entweder für sich verarbeiten oder der anderen Person gegenüber äußern.

Anderen richtig zeigen, dass man wütend ist

Wer auf jemand anderen wütend ist, sollte ihm das dem Experten zufolge auch zeigen – allerdings ohne verletzend zu werden. „Vielen gelingt es nicht, ihre Wut zu äußern“, weiß er. „Oft liegt das daran, dass sie selbst schon mal der verletzenden und entwürdigenden Wut anderer Menschen ausgesetzt waren und sich geschworen haben, nie so zu werden. In diesem Fall hilft es, mit dem kleinen Ärger anzufangen. Bei dieser Übung äußert man etwas, worüber man sich nur ein wenig ärgert, beispielsweise über das Essen, das nicht in den Kühlschrank geräumt wurde. Wenn man das einige Male geübt hat, fällt es einem meistens auch leichter, die größeren Wutauslöser klar und ruhig anzusprechen.“

Mit Wut Veränderungen angehen

Um aufkommende Wut in den Griff zu bekommen, hat Dr. Baer folgende drei Tipps parat: „Atmen Sie zehn Mal bewusst und tief ein und aus. Wenn Sie die Möglichkeit haben, gehen Sie einmal um den Block, das kühlt das Gemüt ab und macht den Kopf frei. Und schreiben Sie die Wutauslöser auf – so erhalten Sie mehr Klarheit über Ihre Gedanken.“ Die Kür ist es dann, die Energie der Wut positiv zu nutzen. „Die entscheidende Frage dabei ist, welcher innere Antrieb hinter der Wut steckt. Man kann sich fragen: Was möchte ich anders haben, was verändern? Und was kann ich dafür tun? Wenn ich diese Fragen beantworten kann, ist der wichtigste Schritt schon getan. Dann setzt Wut oft ungeahnte Kräfte frei, bringt uns auf neue Ideen und kann so einen Änderungsprozess ins Rollen bringen.“

Tipp

Wut verursacht Stress – und gestresste Menschen werden leichter wütend. Methoden zur Stressbewältigung und Entspannung können helfen, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Die BKK Mobil Oil unterstützt Sie dabei mit verschiedenen Gesundheitskursen. Dabei erstatten wir Ihnen für maximal zwei Kurse bis zu 200,00 Euro im Jahr. In unserer Kursdatenbank finden Sie im Handumdrehen einen passenden Kurs in Ihrer Nähe. Mehr zum Thema Stressabbau lesen Sie auch im Artikel „Yoga gegen Stress: Den Alltag mit Entspannung meistern“ in dieser Ausgabe.


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