Inhalt

Kategorie:  

Feedback geben und annehmen: So geht’s richtig

Einige Situationen im Arbeitsalltag erfordern, dass man Kollegen oder Mitarbeitern Feedback gibt. Wir haben Experte Florian Grolman gefragt, wie konstruktive Kritik gelingt und welche Regeln im Feedbackgespräch für Sender und Empfänger gelten.


© JohnnyGreig / Getty Images

© JohnnyGreig / Getty Images

Feedback zu geben kann ebenso schwierig sein, wie es anzunehmen. Unzweifelhaft ist: Kritik  am Verhalten einer anderen Person ungefiltert auszusprechen, ist in den seltensten Fällen konstruktiv. Allzu groß ist die Gefahr, den Betreffenden zu verletzen, ihn in eine peinliche Situation zu bringen oder Abwehr zu erzeugen und so neue Schwierigkeiten heraufzubeschwören. Ein Feedbackgespräch ist deshalb immer eine heikle Situation und für beide Seiten ist es ratsam, sich dabei an gewisse Regeln zu halten. Der systemische Organisationsberater Florian Grolman von initio hat uns verraten, worauf es beim Feedbackgeben ankommt und wie es gelingt, konstruktive Kritik tatsächlich anzunehmen.

Feedback geben mit der WWW-Regel

Ein Feedbackgespräch bietet uns die Gelegenheit, eine andere Person darüber zu informieren, wie wir ihr Verhalten erleben und welche Konsequenzen es in unseren Augen hat – im positiven wie im negativen Sinne. Außerdem können wir dem Betreffenden gegenüber äußern, wie er sein Verhalten uns, Kollegen oder Kunden gegenüber verändern könnte, um die Zusammenarbeit künftig zu erleichtern oder bessere Ergebnisse zu erzielen. „Für ein konstruktives Feedbackgespräch empfehle ich die sogenannte WWW-Regel“, so Florian Grolman. „Dabei beschreibt der Feedbackgeber zunächst möglichst sachlich seine Wahrnehmung, ganz ohne Vorwurf. Dazu kann er beispielsweise die Formulierung ,Ich habe beobachtet, dass ...‘ wählen. Anschließend schildert er die Wirkung dieses Verhaltens, also die Konsequenzen, die er beobachtet hat. Und schließlich formuliert er seinen Wunsch für das zukünftige Verhalten des anderen. Diese drei Ws – Wahrnehmung, Wirkung, Wunsch – kann man sich gut merken und sie lassen sich in den meisten Fällen im Berufsleben sehr leicht anwenden.“

Feedback annehmen: Konstruktive Botschaft wahrnehmen

Der Erfolg eines Feedbackgesprächs steht und fällt nicht nur mit dem Geschick des Feedbackgebers, sondern auch mit der Bereitschaft des Empfängers, die Kritik zu hören und anzunehmen. „Eine besondere Herausforderung ist dabei, sich zunächst in die passive Zuhörerrolle zu fügen“, erklärt Florian Grolman. „Doch auch wenn man am liebsten sofort widersprechen würde: Man sollte den Feedbackgeber unbedingt ausreden lassen – nur so kann man die vollständige Kritik erfahren.“ Anderenfalls blieben nur Mutmaßungen. Verständnisfragen seien dennoch selbstverständlich immer möglich und willkommen. „Feedback wird von vielen Feedbacknehmern oft als Kritik und daher als unangenehm wahrgenommen“, so Grolman. „Im Grunde steckt darin jedoch eine sehr konstruktive Botschaft, die lautet: ,Ich hätte mit dir gern eine bessere Kommunikation beziehungsweise ein besseres Arbeitsverhältnis. Darum bringe ich das, was zwischen uns steht, zur Sprache.‘“ Dieses „Reframing“ von Feedback helfe vielen Klienten sehr. Hilfreich könne es außerdem sein, die wichtigsten Erkenntnisse des Feedbackgesprächs zum Abschluss selbst noch einmal zu formulieren und zurückzuspiegeln.

Feedback geben: So kommt konstruktive Kritik richtig an

Wie kann ich Feedback so geben, dass es wirklich angenommen werden kann? Wann ist Kritik konstruktiv und wann läuft sie aller Wahrscheinlichkeit nach ins Leere? Florian Grolman hat seine wichtigsten Feedbackregeln zusammengestellt:

  • Prüfen Sie zunächst Ihre Intention: Warum wollen Sie eigentlich Feedback geben? Machen Sie sich Ihre Absichten und Gefühle klar, um gut vorbereitet in das Gespräch zu starten.

  • Sprechen Sie ausschließlich Verhaltensweisen an, die der Betreffende beeinflussen kann. Falls keine Chance besteht, dass Ihr Feedback eine Verhaltensänderung bewirkt, verzichten Sie lieber darauf.

  • Beziehen Sie sich mit Ihrem Feedback konkret auf ein begrenztes Verhalten und nicht auf die gesamte Person. Das erleichtert es dem anderen, die Kritik nachzuvollziehen und anzunehmen.

  • Bleiben Sie sachlich und verzichten Sie auf eine persönliche Wertung oder moralische Verurteilung. Auch Vermutungen oder Interpretationen sind nicht angebracht.

  • Wählen Sie den passenden Zeitpunkt: Feedback wirkt am besten, wenn das kritisierte Verhalten noch aktuell ist beziehungsweise nicht allzu lange zurückliegt.

  • Überfallen Sie den anderen aber nicht mit Ihrer Kritik, sondern vereinbaren Sie am besten einen Termin für ein Feedbackgespräch und sorgen Sie für eine ungestörte Umgebung.

  • Berücksichtigen Sie die Bedürfnisse des Empfängers. Vergewissern Sie sich dazu, ob dieser momentan überhaupt bereit ist, Feedback anzunehmen. Das können Sie zum Beispiel an seiner Reaktion auf Ihre Bitte um ein entsprechendes Gespräch erkennen.

Das Wichtigste zum Thema Feedback finden Sie hier noch einmal zum Nachlesen.


Kategorie:  
© nd3000 / Getty Images

Schüchternheit überwinden und im Job durchstarten

Smalltalk oder eine Präsentation zu halten ist für Schüchterne eine...

weiterlesen 

Kategorie:  
© PeopleImages / Getty Images

Ganz cool bleiben: So lässt sich Wut in den Griff bekommen

Wütend zu sein ist nervenaufreibend – für einen selbst und für...

weiterlesen