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Ausgabe 2-2009

Ein Wochenende in Berlin erleben

City-Spezial .

Berlin by Bike

38 Kilometer von Nord nach Süd und 45 Kilometer von West nach Ost: Zu Fuß ist die Hauptstadt arg groß. Wendige Entdecker nehmen das Fahrrad. Damit „erfahren“ sie Berlin spontan, sparsam und ökologisch.

Engmaschiges Radwegenetz

Ob in der neuen, glitzernden Mitte oder „JWD“ (janz weit draußen) in ländlicher Idylle: Berlin hat ein Herz für Radler. In den letzten Jahren ist hier ein engmaschiges Netz von Radwegen entstanden. Sie verbinden alle wichtigen Orte der aufregenden Metropole. Häufig dürfen die schnellen Busspuren mitbenutzt werden. Vom Schlossplatz mitten in der City führen sternförmig zwölf ausgeschilderte Fahrradrouten in die Außenbezirke. Sie sind wie bei einem Spinnennetz miteinander verknüpft.

Besonders spannend ist der Berliner Mauerweg

Auf insgesamt 160 Kilometern bewegt man sich auf dem Berliner Mauerweg auf den – noch frischen – Spuren der Trennung von Ost und West. Gleichzeitig verbindet der Mauerweg die Stadt mit ihrem grünen Umland. „JWD“ führt der Themenpfad zum größten Teil durch Wald und Feldflur. Der 50 Kilometer lange Abschnitt zwischen den einst getrennten Stadthälften verläuft meist auf asphaltierten Straßen und ist gespickt mit Sehenswürdigkeiten. Der Mauerweg ist ausgezeichnet ausgeschildert. Immer wieder helfen Übersichtspläne bei der Orientierung. An mehr als 40 Stationen erhält man zudem Infos über den Bau und den Fall der Berliner Mauer.

Todesstreifen wurde zur Erholungsstätte

Ein netter Startpunkt für eine Tagestour auf dem Rad ist der Mauerpark – ein besonders buntes Stück Berlin im „in“-Bezirk Prenzlauer Berg. Hier hat sich der ehemalige Todesstreifen zur Erholungsstätte gewandelt, auch wenn noch ein Stück Berliner Mauer zur Erinnerung steht. Weitere Attraktionen: ein Amphitheater, sonnige Sitz- und Liegeplätze, ein ruhiges Birkenwäldchen sowie eine große Rasenfläche für Spiel und Sport. Besonders lustig sind die XXL-Schaukeln auf dem Hang. Von hier aus hat man einen weiten Blick auf die Berliner Mitte.

Bernauer Straße erlangte traurige Berühmtheit

Vom Park geht’s zur Bernauer Straße. Sie erlangte nach dem Bau der Mauer traurige Berühmtheit. Dramatische Fluchten erschütterten die Weltöffentlichkeit, bei denen Menschen aus den Häusern zu entkommen versuchten, die zu Ost-Berlin gehörten, während der Bürgersteig vor der Haustür schon West-Berliner Boden war. Entlang des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanals kommt man rasch zum neuen Hauptbahnhof. Seine Architektur ist spektakulär. Eine weiträumige Glashalle und mehrgeschossige Bügelbauten machen ihn zum größten Turmbahnhof Europas.

Potsdamer Platz: Aufbruchsfantasien der 90er Jahre

Der Mauerweg führt vom Hauptbahnhof weiter über eine Rampe zum Uferweg und über die Marschallbrücke zum Regierungsviertel. Anschließend mit dem Fahrrad durch das Brandenburger Tor – da weht einen der Hauch langer Historie an. Hinter dem Holocaust-Mahnmal geht’s weiter auf dem Kopfsteinpflasterstreifen, der auch in der historischen Innenstadt den Verlauf der Berliner Mauer kennzeichnet, bis zum Potsdamer Platz. Hier ist in den Aufbruchsfantasien der 90er Jahre ein neues Stück Berlin entstanden. Über die Stresemannstraße, Niederkirchnerstraße (wo 200 Meter Originalmauer erhalten geblieben sind) und Zimmerstraße geht es zum Checkpoint Charlie. Der berühmte ehemalige Grenzübergang ist ein Muss für jeden Berlin-Touristen.

Naturerlebnis mitten in Berlin

Wer nach so vielen geschichtsträchtigen Bauten erst mal etwas Grün braucht, radelt gemächlich den Landwehrkanal entlang. Der Kanal verbindet die untere Spree in Charlottenburg mit der oberen Spree am Osthafen. Ein Abstecher zum Treptower Park bietet sich an. Offene Wiesen und dichtes Gehölz wechseln sich ab, herrlich zum Durchatmen. Der Heidekampgraben führt vom Park zum Baumschulenweg. Der einstige Grenzstreifen ist heute ein schöner Grünstreifen mit großzügigem Fuß- und Radweg. Spätestens in Köpenick wird klar: Für anregend-erholsame Radausflüge braucht man Berlin nicht zu verlassen. Der grünste Hauptstadt-Bezirk mit seinen zahlreichen Parkanlagen, Waldrevieren und Gewässern bietet viele Naturerlebnisse. In einem der unzähligen Biergärten kann der durstige Radler ein – na was? – Radler zischen.

Museumsinsel: Ziel für Kulturbeflissene

Erst mal zurück in die City. Das geht vom Bahnhof Köpenick auch fix mit der S-Bahn; Fahrräder dürfen jederzeit und sogar kostenlos mit rein. Vom Alexanderplatz mit dem 365 Meter hohen Fernsehturm – Berlins höchstem Gebäude – radelt man ziemlich schnell die breite Karl-Liebknecht-Straße entlang zur Museumsinsel. Ein Dorado für Kulturbeflissene: Alte Nationalgalerie (Bilder vom Klassizismus bis zur Moderne), Altes Museum (Antikensammlung), Pergamon-Museum (unter anderem griechisches und römisches Altertum), Bodemuseum (Spätantike und Byzantinische Kunst) und Neues Museum (Nofretete & Co.). Die Museumsinsel ist mehr als „totes“ Weltkulturerbe, nämlich ganz lebendig eines der wichtigsten Ausstellungszentren Europas.

Promi-Spotting am Hackeschen Markt

Weiter zum Hackeschen Markt. Galerien und Cafés laden zum Verweilen und Promi-Spotting ein. Am Ende der Prunkstraße Unter den Linden winkt von Weitem schon die Siegessäule. Schwupps, noch einmal durchs Brandenburger Tor – schon da. In 48 Metern Höhe ermöglicht eine Aussichtsplattform einen beeindruckenden Blick über den Tiergarten. Wer nun noch kurz nachsehen will, ob der Bundespräsident zu Hause ist: Bis zum Schloss Bellevue sind es auf dem Rad nur wenige Minuten. Eine Besichtigung ist allerdings nur nach schriftlicher Anmeldung möglich. Dann doch lieber in den Zoo? Die Tiere empfangen unangemeldeten Besuch ohne Murren. Der älteste Zoologische Garten Deutschlands gilt mit mehr als 15.000 Viechern in rund 1.500 Arten als wertvollste Tiersammlung der Welt.

Abseits bekannter Pfade fahren

Zum Schluss ein Tipp für alle Neuberliner oder auch Alteingesessene, die ihren „Kiez“ aus Sattelperspektive neu kennenlernen wollen: Die Stadtteilgruppen des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs Berlin führen zu Orten, die versteckt, skurril, historisch interessant oder einfach ein Muss sind. Man fährt in gemütlichem Tempo, bevorzugt auf grünen Wegen, und legt hier und da einen Zwischenstopp ein. Auch etliche kommerzielle Bike-Guides bieten geführte Radtouren durch den Großstadt-Dschungel an. Berlin-Besucher, die ohne eigenes Rad anreisen, können die Stadt trotzdem erradeln. Mieträder – mit und ohne Tourbuchung – gibt es an über 30 Verleihstationen. Gutes Rad ist in Berlin nicht teuer: Mit 10 Euro am Tag ist man dabei. Für ganz Spontane stehen die Call-Bikes der Deutschen Bahn an fast jeder Straßenecke; ein Anruf genügt.

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